Alt werden ist schön, krank werden nicht!

„Alt werden ist schön, krank werden nicht!“, mit diesem Satz begegnete mir Herr K. am Anfang unseres Treffens. Ja, der Prozess des Alterns verschont niemanden, so ist es nun mal, aber gerade deshalb beeindrucken mich immer wieder Menschen, die mit diesem Prozess keine großen Probleme zu haben scheinen.

Frau und Herr K. aus Berlin-Neukölln sind seit 63 Jahren verheiratet. Die beiden haben sich damals über eine Zeitungsanzeige kennengelernt, Herr K. hatte nach einer Brieffreundin gesucht.

Herr K. ist 1930 in Kotthain in Thüringen geboren und wurde nach dem Kriegsende vom Arbeitsamt nach Frankreich vermittelt, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten. Schlechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung brachten ihn zu der Entscheidung, sich 1949 bei der Fremdenlegion anzumelden.

Frau K. ist 1933, wie auch ihre Eltern, in Berlin geboren, genauer gesagt in Berlin-Neukölln. Hier ist sie aufgewachsen und hier hat sie ihre Lehre zur Schneiderin absolviert. Als solche hat sie für einige Zeit bei Etam gearbeitet und ist dann zu Philip Morris gewechselt, um dort als Maschinistin zu arbeiten.

„Kennen Sie die Bravo?“ Die Anzeige hatte Frau K. damals in einer Jugendzeitschrift, die der heutigen Bravo sehr ähnelte, entdeckt. Sie war nicht die Einzige, die sich meldete, aber die Einzige, die herausstach. Frau K. und Herr K. hatten über fünf Jahre regen Briefkontakt. Nach fünf Jahren in der Fremdenlegion kam Herr K. 1954 zurück nach Deutschland und direkt nach Berlin, um hier Frau K. genau eine Woche vor ihrem 21. Geburtstag zu heiraten. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig, davor durfte man also nur mit dem Einverständnis der Eltern heiraten.

Seitdem leben und lieben Frau und Herr K. in Berlin-Neukölln und haben trotz der Diagnose von Frau K. (Gonarthrose) eine recht gesunde Lebenseinstellung. Auf die Frage, was er mit dem Spruch: „Alt werden ist schön, …“ genau meint, gibt Herr K. eine kurze und knappe Antwort: „Jeder Lebensabschnitt hat seine Besonderheiten und Reize.“.